Bestellwahnsinn

Bestellwahnsinn

Wieder hat ein Jahr begonnen und in den etwas ruhigeren Tagen um den Jahreswechsel habe ich bei meinem Haupt-Onlinehändler eine erschreckende Zahl sehen müssen. Zwar war ich mir bewusst, dass ich unglaublich viel online bestelle, aber die Zahl von fast 80 Bestellungen im Jahr 2018 ließ mich dennoch erschrecken. Dabei entspricht die Zahl der Bestellungen nicht einmal der Zahl der bestellten Artikel und der Händler – ja, wir reden hier vom Megakonzern amazon – versendet gerne jeden Artikel einzeln. Wenn ich mir ansehe, wie sich die Anzahl der Bestellungen über die vergangenen elf Jahre entwickelt hat, ist die Zahl der Bestellungen in 2018 noch erschreckender, da sie deutlich über den Bestellmengen der Vorjahre liegt (vgl. Beitragsbild).

Woran liegt es, dass ich so viel bestelle? Nun ja, bei einigen Dingen liegt es sicherlich daran, dass sie im Einzelhandel meines erweiterten Wohnumfeldes teilweise nur sehr schwer erhältlich sind. Stellenweise lässt es sich bestimmt auch mit günstigeren Preisen erklären. Außerdem – machen wir uns nichts vor – ist es vor allem eines: unglaublich bequem. Zuhause sitzend über Anschaffungen nachdenken, online recherchieren und wenn man schon einmal dabei ist, kann man ja auch gleich bestellen. Je nachdem, ob man zuhause ist, kommt die Ware dann bequem bis in die Wohnung oder man muss lediglich zur Post und sie abholen.

Bequem ja, aber irgendwie auch so gar nicht umweltschonend und nachhaltig. Zum einen fallen durch den Versand unglaubliche Mengen an Müll an. Jeder Artikel wird zusätzlich zur gewohnten Verpackung umverpackt mit einem Paket, zumeist noch gepolstert und dann noch quer durch die Republik oder gar rund um den Globus geschickt. Wie oben erwähnt bei amazon inzwischen nicht selten artikelweise und nicht je Bestellung. Zum anderen bringt der Versand von unzähligen Einzelartikeln immer auch erhöhte Schadstoffemissionen im Vergleich zu gesammelten Lieferungen mit sich. Hinzu kommt, dass der Einzelhandel vor Ort entsprechende Absatzeinbußen hinnehmen muss und sich das nicht selten auf die Mitarbeiterstruktur in der eigenen Stadt auswirkt. Im Fall von amazon dürfen auch die Medienberichte über die schlechten Arbeitsbedingungen und die Machenschaften des Unternehmens nicht unerwähnt bleiben (z. B. Einmal Polen und zurück).

Gründe die Menge der Online-Bestellungen allgemein und im Speziellen bei amazon zu reduzieren gibt es also zur genüge – auf die Aspekte Datenschutz, personalisierte Werbung und individuelle Preise sei hier nur verwiesen. Die große Frage ist nur, wie komme ich von dem vermutlich schon gut antrainierten ‚Bestellautomatismus‘ weg? Auf zwei Wegen habe ich bereits begonnen, mich von amazon als mehr oder weniger einzig genutztem Online-Großhändler loszulösen.

  1. Bereits seit Herbst 2018 versuche ich Bücher und teilweise CDs nach Möglichkeit im Einzelhandel vor Ort zu kaufen. Schließlich lassen sich Bücher zum gleichen Preis auch in der Buchhandlung erwerben oder ggf. bestellen und brauchen häufig auch nicht länger, bis sie abholbar sind, als wenn ich sie online bestelle. Davon ausgehend, dass der Buchhändler nicht nur einzelne Bücher, sondern gesammelte Lieferungen bekommt, sollten die Umweltauswirkungen der Bestellung zumindest geringer ausfallen, als bei einer Einzelbestellung im Internet.
  2. Über den Jahreswechsel habe ich außerdem begonnen, meine amazon-Wunschzettel, die ich teilweise als echte Wusnchzettel und teilweise als Merklisten für spätere Einkäufe oder als Anregungen für verschiedene Zwecke verwende, über eine Excel-Tabelle zu realisieren. In dieser stehen dann zwar die Links zu amazon, aber zum einen liegen die Daten auf meinem PC und nicht bei amazon und zum anderen kann ich die Tabelle für mehrere Händler und Plattformen sowie den stationären Einzelhandel verwenden.

Nichtsdestotrotz habe ich auch 2019 bereits die erste Bestellung ausgelöst. Allerdings nicht direkt beim Recherchieren im Netz, sondern erst nachdem ich mich versichert hatte, dass der stationäre Einzelhandel in meinem Umfeld den Artikel nicht in der von mir benötigten Konfiguration und zu einem halbwegs vergleichbaren Preis anbietet. Diese Bestellung wurde also sehr bewusst ausgelöst. Vermutlich ist Bewusstheit beim Online-Shopping der Schlüssel zu weniger Bestellungen und sofern sie notwendig sind mehr Besorgungen im Einzelhandel vor Ort. Mein Ziel ist zunächst keine komplette Abkehr vom Bestellen im Internet, jedoch eine deutliche Reduktion der Anzahl der Bestellungen. Ich sollte also beginnen Online-Bestellungen spätestens vor ihrem Abschluss zu hinterfragen:

  • Benötige ich den Artikel wirklich?
  • Bekomme ich den Artikel auch im stationären Einzelhandel?
  • Welcher alternativen Händler kann es geben?
  • Kann ich mit der Bestellung warten, um mehrere Bestellungen zusammenzufassen und bei einem Händler zu bestellen, der alle Artikel der Bestellung gebündelt versendet?

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